Die Kehrseite der Medaille
Nachteile einer Privaten Krankenversicherung
Die private Krankenversicherung bietet exzellente Leistungen, doch sie ist kein "Schnäppchen-System". Wer nur aus Kostengründen wechseln will, begeht oft einen strategischen Fehler. Eine ehrliche Analyse der Nachteile ist essenziell, damit das System PKV nicht zur Kostenfalle wird.
Qualität hat ihren Preis
Der Beitragsirrtum
Ein häufiger Fehler bei der Wahl der PKV ist die Jagd nach dem günstigsten Beitrag. Doch wie beim Auto gilt: Ein Mercedes kostet natürlich mehr als ein Fiat.
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Die "Lockvogel"-Falle: Tarife, die mit extrem niedrigen Monatsbeiträgen (z. B. 150 €) werben, rächen sich oft im Alter. Wer jung spart und das Geld nicht clever für später zur Seite legt, riskiert im Rentenalter finanzielle Engpässe durch steigende Beiträge.
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Das Risiko "Primärarztprinzip": Tarife, die durch verpflichtende Hausarzt-Vorab-Besuche Kosten sparen wollen, schränken genau die Flexibilität ein, für die man eigentlich in die PKV gewechselt ist.
Keine kostenlose Familienversicherung
Einer der größten Unterschiede zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist die Abrechnung pro Person. In der PKV gibt es keine kostenlose Familienversicherung.
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Beiträge für Angehörige: Jedes Kind und jeder nicht arbeitende Ehepartner benötigen einen eigenen Vertrag, welcher einen individuellen Beitrag auslöst. Dennoch muss die monatliche Gesamtbelastung für Familien nicht zwangsläufig höher ausfallen als in der GKV. Ursächlich ist, dass dein Arbeitgeber sich auch am Beitrag für Kinder oder Ehepartner paritätisch beteiligt.
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Kostenfalle Elternzeit: Während GKV-Mitglieder in der Elternzeit oft beitragsfrei versichert sind, laufen die Beiträge in der PKV weiter. Für Angestellte ist das besonders spürbar, da in dieser Zeit auch der Arbeitgeberzuschuss wegfällt. Wichtig ist jedoch, dass viele private Krankenversicherer mittlerweile eine Beitragsfreistellung anbieten, um dieser Kostenfalle entgegenzuwirken.
Kosten vor der ersten Erstattung
Die Selbstbeteiligung
Achtung: Sehr günstige Tarife beinhalten oft eine hohe Selbstbeteiligung (> 1.000 € pro Jahr) – diesen Betrag zahlst du jedes Jahr aus eigener Tasche, bevor die Versicherung den ersten Cent übernimmt.
Tipp: Gerade bei Arbeitnehmern, ist eine Selbstbeteiligung oftmals nicht zu empfehlen, da sich dein Arbeitgeber paritätisch am Monatsbeitrag beteiligt - nicht aber an deiner Selbstbeteiligung. Diese zahlst du aus deinem Netto-versteuerten Einkommen.
"Einbahnstraße": Rückkehr in die GKV
Die Entscheidung für die PKV ist oft eine Entscheidung fürs Leben – denn der Weg zurück in das gesetzliche System ist steinig und an strenge Bedingungen geknüpft.
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Stolpersteine beim Wechsel: Je nachdem, ob du angestellt oder selbstständig bist, gibt es unterschiedliche rechtliche Hürden für eine Rückkehr.
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Die 55er-Grenze: Sobald du das 55. Lebensjahr vollendet hast, ist ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung deutlich erschwert. Die GKV versucht möglichst hohe Austrittshürden zu schaffen, um dich als Stütze des Systems nicht zu verlieren.